Stile der Stadt, Ein Projekt von Filomeno Fusco und Dirck Möllmann

english

Videopanel 2011

19. – 27. Februar 2011

Altonaer Museum, Hamburg

Haus

Jeanne Faust

Jeanne Faust *1968 in Wiesbaden
lebt und arbeitet in Hamburg

www.jeannefaust.de

Ausstellungen (Auswahl) (S – Solo; G – Gruppen)
2010 Cut – Scherenschnitte 1970-2010, Hamburger Kunsthalle (G)
2009 talk-talk – Das Interview als künstlerische Praxis, Kunstverein Medienturm Graz, Österreich (G)
2008 excuse me brother, Museum Ludwig, Köln (S)
2007 Videonale, Kunstmuseum Bonn; Reina Sofia, Madrid, Spanien (G)
2002 Manifesta 4 – Europäische Biennale zeitgenössischer Kunst, Frankfurt (G)

Preise und Stipendien (Auswahl)
2008 Edwin-Scharff-Preis, Hamburg
2004 Lichtwark-Stipendium des Senats der Freien und Hansestadt Hamburg
2003 ars viva 03/04 – Film, Kulturkreis der Deutschen Wirtschaft
2002 Stipendium des Kunstmuseums Liechtenstein
1999 Hamburger Arbeitsstipendium für bildende Kunst

The Mansion

2004 Video auf DVD, Farbe, Ton, 9 Min.

Mit Lou Castel (Vater), Sandro Mabellini (Sohn),
Bill Parton (Gangster), Jeff Turek (Gangster)


Der Blick fällt durch eine Glasscheibe in ein nur schwach beleuchtetes Tonstudio. Die Kamera steht fest. Zwei Männer – Vater und Sohn – stehen in Warteposition, noch fällt kein Wort. Es herrscht eine Spannung zwischen den beiden Männern, die sich in ihrer Körpersprache ausdrückt und direkt auf den Zuschauer überträgt. Ihr Dialog treibt die Spannung weiter. Wut, Enttäuschung, Ansprüche stehen im Raum. Doch bleibt unklar, was genau gezeigt und gesehen wird. Sind es zwei Schauspieler, die einen Film synchronisieren und dabei unweigerlich auch agieren, oder handelt es sich um die Szene aus einem Spielfilm? Schnitt – der Ausschnitt wechselt, der Jüngere der beiden bleibt im Bild und zwei weitere Männer treten auf den Plan. Die Dialoge verschieben sich vom Familiendrama in das Genre des Gangsterfilms. Auch hier wird Macht sprachlich in Worten und Gesten demonstriert. Jeanne Faust konstruiert Szenen, deren Zusammenhänge sie offen und uneindeutig lässt. Gleichzeitig erscheinen die Situationen, Dialoge und Stimmungen vertraut, sie werden wiedererkannt, als befände man sich im eigenen Haus. Indem Faust das Filmgedächtnis der Zuschauer anspricht, stellt sie zugleich eine Distanz zum gesehenen Drama her. Diese Lücke ermöglicht es, Fragen nach den Konstruktionen filmischen Erzählens, nach der Sprache im Film und der Sprache des Films oder des Kinos zu stellen. In der Schussszene erst setzt Musik ein, die Protagonisten verlassen das Studio, ein schwarzes Bild, begleitet von Pachelbels Kanon und Gigue, einem Stück das auf Wiederholung aufbaut, und das Gefühl hervorruft, es irgendwo schon mal gehört zu haben. Rascheln beendet den Film – „never stopped looking“.