Stile der Stadt, Ein Projekt von Filomeno Fusco und Dirck Möllmann

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Videopanel 2011

19. – 27. Februar 2011

Altonaer Museum, Hamburg

Haus

Corinna Schnitt

Corinna Schnitt *1964 in Duisburg
lebt und arbeitet in Braunschweig

www.corinnaschnitt.de

Ausstellungen (Auswahl) (S – Solo; G – Gruppen)
2010 Der offene Garten, Städtische Galerie Nordhorn (G)
2009 talk-talk – Das Interview als künstlerische Praxis, Kunstverein Medienturm Graz, Österreich (G)
2008 The Cinema Effect: Illusion, Reality and the Moving Image,
Hirshhorn Museum, Washington DC, USA (G)

2007 Von einer Welt, Museum Ludwig, Köln (S)

Preise und Stipendien (Auswahl)
2005 Preis der deutschen Filmkritik für experimentellen Film (Living a Beautiful Life)
2004 Chinati-Foundation, Marfa, Texas (zweimonatiges Arbeitsstipendium)
2003 Stipendium der Villa Aurora, Los Angeles (dreimonatiges Arbeitsstipendium)
2002 Preis der deutschen Filmkritik für experimentellen Film (Das schlafende Mädchen)

Das schlafende Mädchen

2001 16 mm Film auf DVD, Farbe, Ton, 9 Min., Edition 5 + 2 A.P.

Courtesy Galerie Olaf Stüber, Berlin

In der Eingangssequenz von Corinna Schnitts Video Das schlafende Mädchen folgt die Kamera in Nahsicht einem Zweimaster mit drei gehissten Focksegeln. Dazu ertönen Vogelgezwitscher und Blätterrauschen. Ein Augenblick der Orientierungslosigkeit, doch schnell ist die Szene eingeordnet: es ist kein großer Segler, sondern ein ferngesteuertes Modellschiff. Die Geräusche erscheinen plötzlich künstlich, weil Bild und Ton auseinander treten. Etwas Unwägbares kommt in das Geschehen. Die Kamera hebt ab, der Fluss wird zum Kanal und der Bildausschnitt öffnet sich einer Kolonie von immer gleichen Einfamilienhäusern. Die Gracht entpuppt sich in einer schwebenden Fahrt als Teil einer modernen Wohnanlage am Wasser. Diffuses Licht vereinheitlicht die Farben dieser Landschaft. Die Diskrepanz zwischen Bild und Ton setzt sich fort, nichts von dem Hörbaren ist im Bild sichtbar, und gipfelt in der Stimme auf einem Anrufbeantworter mit der dringlichen Bitte und Anfrage eines Versicherungsangestellten an „Frau Schnitt“. Der Mann will sie sprechen, doch sein Versuch läuft ins Leere. Währenddessen verweilt die Kamera auf Vermeers Gemälde Schlafendes Mädchen von 1657. Das Zimmer-Stillleben erscheint wie eine Erweiterung des Vermeer Portraits an der Wand. Schnitt ruft in ihrem Video, nicht nur durch den Titel, Motive der niederländischen Bildtradition auf. So erinnert die menschenlose Szenerie ex negativo an die bevölkerten Bilder des Alltagslebens bei Pieter Bruegel dem Älteren. Durch ihre präzis konstruierte, subtile Bildsprache gelingt Schnitt eine Neuformulierung dieser Bildtradition, die sie um Aspekte der heutigen Gestaltung von Lebenswelten und zwischenmenschlicher Kommunikation erweitert.