Stile der Stadt, Ein Projekt von Filomeno Fusco und Dirck Möllmann

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Videopanel 2011

19. – 27. Februar 2011

Altonaer Museum, Hamburg

Haus

Sébastien Caillat

Sébastien Caillat *1979 in Grenoble, Frankreich
lebt und arbeitet in St. Vincent de Mercuze, Frankreich

Ausstellungen und Filmfestivals (Auswahl)
2009 Videos & Films – Lemaître Collection, Museum of Contemporary Art, Lima, Peru (G)
2008 Videos & Films – Sammlung Lemaître, Kunsthalle Kiel (G)
2007 The territories of picture, Le Fresnoy, Tourcoing, Frankreich (G)
2005 Opus, Musée de l’Art Moderne Lille, Frankreich (G)
2002 2. Video Marathon, Musée de l’Art Contemporain Lyon, Frankreich

Preise und Stipendien (Auswahl)
2006 Best Contemporary Artist bei der Estampa International Art Fair, Madrid

Histoire sans gravité

2006 Beta-Video auf DVD, 16:9, Farbe, 14 Min.
Produziert mit Unterstützung von Le Fresnoy,
National Studio of Contemporary Arts


Courtesy Galerie Martin Mertens, Berlin

Im Jahr 2012 leben Sophie und ihre Mutter in einem futuristischen Wohnturm im Pariser Wirtschaftsquartier La Défense. Die Apartments sind Eigentum von börsennotierten Unternehmen. Sie bewegen sich abhängig von der Entwicklung der Aktienkurse als mobile Auswüchse des Turms entlang seiner vertikalen und horizontalen Achsen. Die Wohnzelle von Mutter und Tochter gehört einem Pharmakonzern, sie ist exquisit ausgestattet und elegant beleuchtet. Der Innenraum wirkt übertrieben plastisch gestaltet und oberflächlich zugleich. An den Fenstern gleitet die Außenwelt langsam vorüber, zuweilen herrscht Stillstand. Sophie ist krank, sie sitzt im Rollstuhl und muss Tabletten nehmen. Im Radio läuft ein Börsenfeature, die Kurse fallen. Vielleicht schluckt das Kind die Pillen des „eigenen“ Unternehmens. Ihre Mutter wartet auf die in der Welt da draußen anrollende Grippewelle. Der Medikamentenabsatz würde steigen, die Kurse würden nach oben gehen und ihnen einen schöneren Ausblick bieten. Vielleicht könnten sie dann den Arc de Triomphe sehen, wie im letzten Jahr. Sophie fragt, wie lange sie noch zu leben hat. Am Ende gibt sie ihrer Mutter und sich eine Überdosis, das Apartment steigt. Der Titel von Sébastien Caillats Film Histoire sans gravité spielt auf die virtuelle und in diesem Sinne wie schwerelose Welt der Aktienmärkte an. Das Hamsterrad der Kapitalströme dreht sich immer schneller, und doch ist es Hybris zu meinen, die Schwerkraft wäre zu überwinden. Indem die Aktien von den Körpern der Mutter und des Kindes symbolisiert werden und sich deren Performance am Markt direkt auf sie auswirkt, wird die Schwerkraft wieder eingeführt. Die Geschichte fordert Opfer, gleichgültig wie selbstbestimmt dieses erscheint.